Wer ist ein Europäer?
Nach zweijähriger Sanierung wurde das Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem eröffnet
Nun hat die etwa 700 Kilogramm schwere und elf Meter lange originale venezianische Gondel aus dem Jahr 1911 einen dauerhaften Platz im Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem. Ebenfalls gilt das zum Beispiel für den etwa 130 Jahre alten erzgebirgischen Weihnachtsberg mit Motiven aus dem Leben Jesus. Nach der zweijährigen Sanierung des Bruno-Paul-Baus in der Arnimallee ist am 9. Dezember das Museum Europäischer Kulturen wieder eröffnet worden. Zum ersten Mal in dem Haus gibt es jetzt auch eine Dauerausstellung.
„Ich bin glücklich, dass unser Museum, nachdem es zweieinhalb Jahre geschlossen war, nun einen Großteil seiner Objekte aus den Depots und Magazinen zeigen kann“, sagt der Museumsdirektor Prof. Dr. Konrad Vanja. 20 Millionen Euro habe der Umbau insgesamt gekostet, finanziert vom Bund, da das Museum zu den Staatlichen Museen zu Berlin gehört.
Allerdings habe es sich bei der Sanierung lediglich um eine „Funktionsertüchtigung“ gehandelt. Denn das Gebäude aus dem Jahr 1911 sei technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand gewesen. Deshalb wurden bspw. die elektrischen Leitungen und die Klimatisierung erneuert. Außerdem ist das Haus jetzt barrierefrei. Auch die Gestaltung und Einrichtung der Ausstellungsräume wurden komplett neu konzipiert und umgesetzt.
Der derzeitige Standort des Museums Europäischer Kulturen im sanierten Bruno-Paul-Bau in Berlin-Dahlem wird jedoch nicht von Dauer sein, sagt Vanja. In etwa zehn Jahren soll der Museumsstandort Dahlem, zu dem auch das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst gehören, aufgegeben werden. Die Sammlungen werden dann nach Berlin-Mitte umziehen.
Die installierte Dauerausstellung steht nunmehr unter dem Leitgedanken: Kulturkontakte – Leben in Europa. „Es geht darum, wie Kultur unter anderem durch Reisen gebildet wird oder wie sich Kultur verändert hat, zum Beispiel beim Essen und Trinken“, erklärt Vanja. Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Thema Identität wie die Frage: Wer ist ein Europäer?
Neben der ständigen Ausstellung bietet das neu eröffnete Museum auch noch zwei weitere Ausstellungen, eine Studiensammlung mit regelmäßig wechselnden Objektgruppen aus dem Museumsbestand und eine Sonderausstellung, derzeit unter dem Titel „Erkundungen in Europa– Visuelle Studien im 19. Jahrhundert“.
Mit rund 275 000 originalen Objekten beherbergt das Museum Europäischer Kulturen eine der größten europäischen Sammlungen zur Alltagskultur und populären Kunst. Das Haus ging 1999 aus dem Zusammenschluss des damaligen Museums für Volkskunde und der Europäischen Sammlung des ehemaligen Museums für Völkerkunde hervor.
Text/Foto: Anett Kirchner

