Samstag, 30. Juli 2016

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Kunst braucht Betrachter...

... und sie kamen zu Scharen am 5. Teltower Kunst-Sonntag

Wer als Besucher des Kunst-Sonntags am 4. November die erste Ausstellungshalle betrat, wurde nicht allein zum Betrachter von Kunst aller Gattungen, sondern auch zum Zuhörer: Aus einer Ecke der großzügigen, angenehm übersichtlichen Halle drangen sanfte Gitarrenklänge. Hala Faisal (Abb.) sang leise, melancholische Lieder aus ihrer, uns fremden Heimat. Sie ist zwar eine Weltenbummlerin, lebte bereits in Paris, Moskau, New York und nun in Berlin, aber in ihrem Herzen bleibt sie Syrerin. Sie ist angekommen, aber die Suche nach „einem Zuhause“ dauert an. Die Zustände in ihrer syrischen Heimat unter dem verbrecherischen Assad-Regime schmerzen sie. In ihrer mitgebrachten Kunst setzt sie die Kraft der Weiblichkeit dagegen: „Die Frauen sind stark durch Schmerzen“, sagt sie und erzählt von Vergewaltigungen in ihrer Heimat. Ihre gelängten, ernsten Figuren wirken träumerisch entrückt, aber auch einsam – so wie Hala inmitten des Trubels des Kunst-Sonntags.

„Kunst wird erst zur Kunst durch ihren Rezipienten“, meint Bildhauerin Maja Smoltczyk. Deshalb mache sie auch bei solchen Events mit. Wäre doch schade, wenn viele spannende Arbeiten im Atelier vereinsamen. So wie ihre bemalten Terrakottaplastiken von Mann und Frau. Deren Beziehung verändert sich je nach Aufstellung. In Teltow schauen sie aneinander vorbei – die Geschichte einer Trennung. Während er noch ihren Blick sucht, wendet sie sich ab. Und diese beiden Figuren scheinen gleichsam aus ihrer Rolle zu schlüpfen und selbst zu Betrachtern zu werden wie ihre großen Schwestern und Brüder um sie herum.

Wie von selbst kommen Besucher über das Kunstbetrachten mit den Kunstschaffenden an allen fünf Ausstellungsstationen auf dem Fabrikgelände miteinander ins Gespräch. Darum geht es auch in erster Linie bei der Veranstaltung. „Als Plattform für Kommunikation und Austausch will sich der Kunst-Sonntag verstehen,“ so Initiator Dieter Leßnau, der von Jahr zu Jahr um mehr Professionalität und überregionale Ausstrahlung bemüht ist. Sein Konzept geht auf. Auch in diesem Jahr nahmen über 90 Künstler aus Nah und Fern teil.

Text/Foto: Jana Wierik

Kunst braucht Betrachter...